Der Jahreslauf der Bienen

Der Jahreslauf der Bienen

Honig ist nicht gleich Honig

Wenn wir Menschen zum Jahreswechsel den astronomischen Winterbeginn feiern, viele von uns auf ein anstrengendes Jahr zurückblicken und endlich etwas zur Ruhe kommen, scharren die Bienen schon wieder voll in den Startlöchern. Mit den länger werdenden Tagen nämlich wurde bereits ein kleines, wohltemperiertes Brutnest angelegt. Zur Versorgung der Nachkommenschaft stehen frische Pollen, zuerst von der Hasel, etwas später auch von Weide und Kornelkirsche, auf dem Speiseplan. Die eiweißreiche Kost ist wichtig für eine optimale Entwicklung der jungen Bienen. Sie sind es schließlich auch, die dann im April die erste große Tracht, so nennt man das zu bestimmten Jahreszeiten verfügbare Nahrungsangebot, heimbringen.

Diese besteht in unserer Region im Frühjahr neben Löwenzahn vor allem aus der Obstblüte. Nachdem die Marillen- und Pfirsichblüte gerade recht für die ersten Flugversuche kommen, läutet das weiße Blütenmeer der Kirschen den Ernst des Arbeitslebens ein und die Apfelblüte bildet dessen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Nur wenn imkerliche Eingriffe und Witterung perfekt ineinandergegriffen haben, kann man zu dieser Jahreszeit bereits kleine Mengen Honig ernten, der wegen seiner feinen Geschmacksnuancen, die unter anderem an Marzipan erinnern, besonders beliebt ist.

Bald darauf, wartet, sofern das Wetter mitspielt, mit der Robinie bereits die nächste große Ernte. Dieser, im Volksmund als „Akazie“ bezeichnete, Baum stammt ursprünglich aus Nordamerika und breitet sich oft auf Kosten heimischer Pflanzengesellschaften aus, ist jedoch eine wichtige Nahrungsquelle für die Insektenwelt und gut angepasst an das sich verändernde Klima. Der sogenannte Akazienhonig ist jedenfalls nicht nur geschmacklich eine Bereicherung unseres Speiseplans, sondern hat wegen seines hohen Anteils an Fruchtzucker auch positive Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel.

Weitere Highlights für unsere Bienen sind dann im beginnenden Sommer die Blüten von Linden und Kastanien, welche jeweils ganz charakteristische, teils liebliche, teils herb-würzige Geschmacksnoten im Honig hervorbringen. Danach liefern lediglich Blumen und Kräuter auf den Wiesen und in den Gärten noch kleine Mengen an Nektar und Pollen. Nur alle paar Jahre wird die Nahrungspalette für die Bienen im Vulkanland noch durch einen späten Segen ergänzt. Dann, wenn nämlich der Wald „honigt“. Hierbei blühen nicht etwa die Bäume des Waldes, sondern die Bienen sammeln deren Saft, der zuvor von Blattläusen aufgenommen und zu Honigtau „veredelt“ wird. Der daraus entstehende Waldhonig ist mit seiner einzigartigen Textur und Geschmack, die an Karamell erinnern, sowie seinem hohen Mineralstoffgehalt besonders beliebt und gesund.

Dann ist aber das natürliche Angebot für unsere Bienen endgültig erschöpft. Längst haben sie sich schon darauf eingestellt und bereits um die Sommersonnwende, dann wenn für uns die warme Jahreszeit erst so richtig beginnt, mit ihren Vorbereitungen für den Winter begonnen. Willkommene Bereicherung im Speiseplan sind dann noch Zwischenfrüchte und Winterbegrünungen, welche jedoch auch nicht unproblematisch sind, da sie die Vegetationsphase unnatürlich verlängern und den Bienen so die Vorbereitung auf den Winter erschweren. Daran erkennt man, wie wichtig eine vielfältige, sich an natürlichen Kreisläufen orientierende Bewirtschaftung unserer Kulturlandschaft für die heimischen Insekten und damit unsere gesamte Nahrungskette ist. Und diese Landschaft kann jeder von uns täglich selbst mitgestalten. Zum einen, indem wir für mehr Vielfalt darin sorgen, beispielsweise durch das Pflanzen von Wildsträuchern, Kräutern oder Bäumen. Zum anderen nehmen wir als KonsumentInnen mit jeder einzelnen Kaufentscheidung Einfluss darauf, welche Produkte wo unter welchen Umständen hergestellt werden.

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